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Am 8. Dezember 1885 beschloss der Untermusbacher Gemeinderat die Wasserversorgung im Ortsteil Merzenberg zu verbessern. Oberamtsbaumeister Kirn aus Freudenstadt wurde mit der Planung und Bauausführung beauftragt. Die Planungsunterlagen befinden sich im Gemeindearchiv. Ein Teil des Kostenvoranschlages von Oberamtsbaumeister Kirn wurde editiert und nachfolgend kursiv geschrieben original wiedergegeben. Kostenvoranschlag über die
Herstellung einer neuen Quellwasserleitung für den Ortsteil
Merzenberg. Vorbemerkungen: Auf dem
Merzenberg besteht schon längst ein laufender Brunnen, welcher von einer
der alten Quellstube zugeleiteten Quelle gespeist wird. In letzter Zeit
haben nun die Bewohner der von dem laufenden Brunnen entfernter liegenden
Gebäude das Verlangen gestellt, in der Nähe ihrer Häuser Brunnen zu
errichten, da es für sie namentlich im Winter sehr beschwerlich je sogar
gefährlich sei, das Wasser vom Tal heraufzuholen und Vieh zur Tränke zu
treiben. Der Unterzeichnete wurde sodann
beauftragt Vorschläge zur Abhilfe zu machen. Da der unterirdische Lauf der vorhandenen Quelle von der Quellstube reinkommend ziemlich genau bekannt war, und da nach Lage und Form des Terrains zu hoffen war, durch Nachgraben bis auf die wasserführende Schicht noch mehr Wasser zu erhalten, wurde ein neuer Schacht gegraben. Die bestehende Quelle wurde in diesem
Schacht gefunden, sie entspringt den oberen Lagen des Buntsandstein bei
dem Punkte a. Weiter rückwärts wurde auf diese Ausdehnung nur eine verschwindend kleine Wassermenge
gefunden, so dass man von weiteren Versuchen auch schon der Kosten wegen
absehe und den Schacht wieder
in der aus den Plänen ersichtlichen Weise zudecken müsste.
Genaue Messungen der vorhandenen
Wassermenge am 19. Mai 1886, also bei außerordentlich niederem
Wasserstand, ergaben pro Minute 9 Liter. Es reicht somit die vorhandene Wassermenge zur Speisung weiterer laufender Brunnen nicht und müssen deshalb selbstschließende Wasserbrunnen und zur Wassersammlung ein Reservoir angelegt werden.
![]() Infolge dieser
Vorbemerkungen wurde ein Reservoir mit 8100 Liter geplant. Kurz vor
Bauausführung wurde ein vergrößerter Hochbehälter mit 24000 Liter
beschlossen. Dieser Hochbehälter stand vor dem Hause Stöhr, er wurde
bereits vor Jahren entfernt.
Die Quelle befindet sich
auf einem Feldgrundstück das mit Schuppen bebaut war und die Flurstück-Nr.
109/2 hat. Dieses Grundstück hat damals Joh. Georg Dölker gehört und wurde
zu einem späteren Zeitpunkt von Fam. Hofer bebaut. Joh. Georg Dölker
erhielt für die Bauarbeiten auf seinem Feld eine Entschädigung von der
Gemeinde.
Aus den Rechnungen der
Grabarbeiten für die Rohrleitungsverlegung ist zu entnehmen, dass zwischen
Quelle und Hochbehälter eine Rohrleitung von 30 m Länge verlegt
wurde.
![]() Nach Erstellung des
Reservoirs wurde eine Gußrohrleitung mit 70 mm Durchmesser den Merzenberg
hinunter verlegt und die selbstschließenden Brunnen sowie Hydrantenstellen
gebaut. Der letzte Brunnen befand sich vor dem Haus des Bäckers
Bauer.
![]() In den folgenden
Jahren wurde dem Reservoir noch Wasser aus einer zweiten Quellstube, die
im Bereich des Sportplatzes lag, zugeführt. Hierüber fehlen leider die
Unterlagen.
Die neue
Wasserleitung mußte dann auch zünftig im Gasthaus "Rose" eingeweiht
werden.
Die Anzeige
erschien im November 1886 im "Der Grenzer".
Im Jahr 1906 wurde
gemeinsam mit Obermusbach eine neue Wasserleitung gebaut, deren Quelle
oberhalb der Bähwiese lag. Zur Leistungserhöhung wurde 1921 für die
gemeinsame Wasserleitung in Obermusbach beim Hof Braun eine Pumpstation
mit einer elektrischen Pumpe gebaut. Als weiter Baumaßnahme wurde
ein Hochbehälter im Bereich der Segelflug-Gebäude gebaut, hier ist
das Baudatum noch nicht bekannt. Diese Lage und Höhe erlaubte auch eine
Versorgung des Merzenberges, so das die alten Brunnen stillgelegt und das
Reservoir am Merzenberg entfernt wurde.
Im Zuge der
Wasserleitungserneuerung 2011 wurde leider die Möglichkeit versäumt, die
alte noch vorhandene Brunnenstube zu erneuern und das Quellwasser für
einen öffentlichen Brunnen zu nutzen. Aus Kostengründen wurde die alte
Brunnenstube verfüllt und die Quelle am Merzenberg, der Besiedlungsgrund
des Merzenberges, geschlossen.
Während der Abriss-
und Verfüllarbeiten war ein letzter Blick in die vor 126 Jahren erweiterte
Quellfassung möglich. Wir können auch die alten Rohrleitungen und die
Eisenträger sehen, die damals eingelegt wurden.
Bericht erstellt von Hans Rehberg |